Jahreszeiten

Mit dem Zyklus "Le quattro stagioni" (Die vier Jahreszeiten) hat Antonio Vivaldi eine ganz neue Form von Programmmusik geschaffen: In vier Violinkonzerten beschreibt er jeweils eine Jahreszeit musikalisch durch eine Serie von für sie charakteristischen Bildern bzw. Szenen. Zur Verdeutlichung hat er ihnen jeweils ein Sonett mit direktem Bezug zu den einzelnen Szenen vorangestellt.

Astor Piazzolla setzte dem einen Zyklus von Tangos "Las Cuatro Estaciones Porteñas" (die vier Jahreszeiten der Bewohner von Buenos Aires) entgegen. Während Vivaldi die Natur und das ländliche Leben der frühen Neuzeit im Spiegel der Jahreszeiten schildert, fasst Piazzolla das moderne Leben in der Großstadt Buenos Aires, deren Einwohner sich "Porteños" nennen, in Töne.

In "Las Cuatro Estaciones Porteñas" vereint Piazzolla Stilelemente verschiedenster Herkunft: Die typischen Rhythmen und Harmonien des argentinischen Tangos gestaltet er mit den Kompositionstechniken der neuen europäischen Musik und verbindet sie mit Elementen des Jazz.

In diesem Programm werden die beiden Konzerte "Frühling" und "Sommer" von Antonio Vivaldi dem Herbst "Otoño Porteño" und Winter "Invierno Porteño" von Astor Piazzolla gegenüber gestellt.

Eine ganz andere Programmatik findet sich in den Kompositionen des finnischen Akkordeonisten, Dirigenten und Komponisten Timo-Juhani Kyllönen. Ausgestattet mit einem ausgeprägten spirituellen Sendungsbewusstsein, sieht er sich selbst als Transmitter von positiver kosmischer Energie, welche Tugenden wie Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit in die chaotische Welt von heute bringt.

Sein Trio n:o 1, komponiert 1987, erinnert formal sehr an Beethovens Umgang mit Motiven, die sich im Wechselspiel der Instrumente verdichten, verwandeln und als Bausteine zu einem großen musikalischen Bogen zusammenfügen. Eine Metapher für die kosmische Ordnung, die sich aus dem Chaos formt.

Astor Piazzolla: Invierno Porteño (Winter in Buenos)

Antonio Vivaldi: La Primavera (Der Frühling)

  1. Allegro
  2. Largo
  3. Allegro

1. Satz

Der Frühling ist gekommen, und freudig
begrüßen ihn die Vögel mit ihrem frohen Lied,
während die Quellen unter Zephirs Atem
mit süßem Murmeln dahinfließen.

Die Luft mit einem schwarzen Umhang bedeckend
kommen Blitz und Donner, den Frühling anzukündigen;
sobald sie schweigen, kehren die Vögelchen
aufs Neue zurück zu ihrem zauberhaften Gesang;

2. Satz

und schon schläft auf der in voller Blüte stehenden Wiese
zum frohen Rauschen der Blätter und Pflanzen
der Ziegenhirte mit dem treuen Hund an seiner Seite.

3. Satz

Zu dem festlichen Klang der Schalmeii
tanzen Nymphen und Hirten unterm Himmelszelti
zum glanzvollen Erscheinen des Frühlings.i

Original

Giunt'é la Primavera e festosetti
La Salutan gl'Augei con lieto canto,
E i fonti allo Spirar de'Zeffiretti
Con dolce mormorio Scorrono intanto:

Vengon' coprendo l'aer di nero amanto
E Lampi, e tuoni ad annuntiarla eletti;
Indi tacendo questi, gl'Augelletti
Tornan' di nuovo al lor canoro incanto:

 

E quindi Sul fiorito ameno prato
Al caro mormorio di fronde e piante
Dorme'l Caprar col fido can' à lato.

 

Di pastoral Zampogna al Suon festante
Danzan Ninfe e Pastor nel tetto amato
Di primavera all'apparir brillante.

 

Timo-Juhani Kyllönen: Trio n:o 1

  1. Largo - Andante - Largo

Antonio Vivaldi: L’Estate (Der Sommer)

  1. Allegro
  2. Adagio
  3. Presto

1. Satz

Unter der harten Zeit sengender Sonne
leiden Mensch und Herde, und es glüht die Pinie.
Kuckuck erhebt seine Stimme, und bald singen ihr
Einverständnis Taube und Distelfink.

Der sanfte Zephir weht, doch plötzlich
fängt Boreas Streit an mit seinem Nachbarn.
Und der Hirte klagt, denn er bangt
vor dem wilden Sturm und um sein eigenes Schicksal.

2. Satz

Dem müden Gliedern nimmt ihr Ruhe:
Furcht vor Blitzen und wilden Donner
und der Fliegen und Mücken wildes Schwirren.

3. Satz

Ach, wie wahr sind seine Befürchtungen,
es donnert und blitzt der Himmel, und Hagel
bricht das Haupt der Ähren und des hohen Getreides.

Original

Sotto dura Staggion dal Sole accesa
Langue L'huom, langue 'l gregge, ed arde il Pino;
Scioglie il Cucco la Voce, e tosto intesa
Canta la Tortorella e'l gardelino.

Zeffiro dolce Spira, mà contesa
Muove Borea improviso al Suo vicino;
E piange il Pastorel, perche Sospesa
Teme fiera borasca, e'l Suo destino;

 

Toglie alle membra lasse il Suo riposo
Il timore de'Lampi, e tuoni fieri
E de mosche, e mossoni il Stuol furioso!

 

Ah che pur troppo I Suoi timor Son veri
Tuona e fulmina il ciel e grandinoso
Tronca il capo alle Spiche e a'grani alteri.

 

Astor Piazzolla: Otoño Porteño (Herbst in Buenos Aires)