Klassizistische Welten

Dieses Programm spannt einen weiten Bogen von der Frühklassik zur zeitgenössischen Musik mit Werken, die eines gemein haben: ihren klassizistischen Umgang mit dem thematischen Material. Doch so nahe sie sich auch in ihrer Formensprache sind, so weit liegen sie in Ausdruck und Tonsprache auseinander:

Auf Haydns leichtfüßiges und spritziges Klaviertrio prallt das fast 200 Jahre später entstandene, atonale, meditativ-schwermütige Trio des finnischen Komponisten Timo-Juhani Kyllönen.

Nicht minder groß ist dann der Kontrast von der kühlen, konzentrierten Distanz des finnischen Komponisten zur hitzigen, temperamentvollen Leidenschaft des Argentiniers Astor Piazzolla, dessen Zyklus "Die Vier Jahreszeiten" zwar nur 20 Jahre früher, dafür 1300 km entfernt entstanden ist.

Joseph Haydn: Trio in g-Moll, Hob.XV:19 (op.70 Nr. 2)

  1. Andante - Presto
  2. Adagio ma non troppo
  3. Presto

Haydns Klaviertrio Nr. 33 Hob. XV 19 in g-moll für Geige, Cello und Klavier stammt aus dem Jahr 1794. Es war eines der ersten Werke Haydns, das er ausdrücklich für Klavier und nicht, wie damals noch üblich, für ein beliebiges Tasteninstrument schrieb. Einem virtuosen Andante/Presto, als Variationssatz gestaltet, folgt ein kantabler 2. Satz und als Abschluss ein rasantes Presto.

Timo-Juhani Kyllönen: Trio n:o 1

  1. Largo - Andante - Largo

Timo-Juhani Kyllönen, geboren 1955 in Saloinen, ist ein finnischer Akkordeonist, Dirigent und Komponist mit einem ausgeprägten spirituellen Sendungsbewusstsein. Er sieht sich selbst als Transmitter von positiver kosmischer Energie, welche Tugenden wie Rechtschaffenheit und Wahrhaftigkeit in die chaotische Welt von heute bringt.

Sein Trio n:o 1, komponiert 1987, erinnert formal sehr an Beethovens Umgang mit kleinen Motiven, die sich im Wechselspiel der Instrumente verdichten, verwandeln und sich als Bausteine zu einem großen musikalischen Bogen zusammenfügen. Eine Metapher für die kosmische Ordnung, die sich aus dem Chaos formt.

Insgesamt ist die Komposition in der Form und Instrumentierung klassizistisch angelegt mit einer zwar atonalen, aber dennoch sehr melodiösen, sängerischen Stimmführung.

Astor Piazzolla: Vier Jahreszeiten (Las Cuatro Estaciones Porteñas)

  1. Primavera Porteña
  2. Verano Porteño
  3. Otoño Porteño
  4. Invierno Porteño

Astor Piazzolla schrieb "Verano Porteño" (Sommer in Buenos Aires) 1964 als Eröffnung des Balletts "Concierto del Angel". Erst Jahre später hat er diesen Satz zu einem ganzen Zyklus "Las Cuatro Estaciones Porteñas" (Die Vier Jahreszeiten) ergänzt. Dass er sich dabei schon von Anfang an auf den Zyklus von Vivaldi bezogen hat, zeigt das Zitat aus dessen "Winter" am Ende des "Verano" (den entsprechend verschobenen Jahreszeiten auf der südlichen Hemisphäre Rechnung tragend).

1969 hat er mit dem "Otoño Porteño" (Herbst in Buenos Aires) den zweiten Teil vollendet. In "Las Cuatro Estaciones Porteñas" vereint Piazzolla Stilelemente verschiedenster Herkunft: Die typischen Rhythmen und Harmonien des argentinischen Tangos gestaltet er mit den Kompositionstechniken der neuen europäischen Musik und verbindet sie mit Elementen des Jazz.