Carl P. E. Bach: Streichersinfonie Nr. 5 h-Moll WQ 182/5

  1. Allegretto scherzando
  2. Tempo di minuetto, grazioso
  3. Allegretto scherzando
  4. Andante con moto
  5. Poco allegro

Zur Zeit Carl Philipp Emanuel Bachs, des bekanntesten Sohnes von Johann Sebastian Bach, prallten zwei Strömungen aufeinander: der Rationalismus, der mit seinem strukturierten Ansatz ein Auswuchs des alten, feudalistischen Weltbilds war, und die Aufklärung, die zur Aufwertung des Individuums und einer völlig neuen Sicht auf die Schöpfung führte.

Mitten in diesen rationalen, theoretischen Diskurs entwickelte sich eine dritte Strömung, die allgemein als "Empfindsamkeit" oder "Sturm und Drang" bezeichnet wird. In ihr wird die Emotion über den Verstand gestellt, Subjektivität über Objektivität. Sie befindet sich damit in einem Gegensatz zu beiden anderen Strömungen. Als Protestbewegung gegen überkommene Moralvorstellungen, Traditionen und Regeln, werden folgerichtig auch in der Kunst die Zwänge formaler Regeln abgelehnt. Vielmehr wurde das Genie zum Idealbild stilisiert, das die schöpferische Kraft der Natur entfesselt und sich seine eigenen Regeln schafft.

Carl Philipp Emanuel Bach komponierte seine sechs Streichersinfonien 1773 in Hamburg für den Baron Gottfried van Swieten, der ihn ausdrücklich aufgefordert hatte, dass er sich bei der Komposition “ganz gehen lassen” und keine Rücksicht nehmen solle auf “die Schwierigkeiten, die daraus für die Ausübung entstehen” würden.

In der Tat zählen diese experimentellen Sinfonien zu den virtuosesten und originellsten Werken für Streichorchester und treffen in ihrer ungestümen Art, ihrer rhythmischen und harmonischen Extravaganz und ihrer weitgehenden Ablehnung der formalen Strukturen der Frühklassik ganz den Zeitgeist des "Sturm und Drang".

Antonín Dvorák: Bagatellen für 2 Violinen, Violoncello und Harmonium op. 47

  1. Allegretto scherzando
  2. Tempo di minuetto, grazioso
  3. Allegretto scherzando
  4. Andante con moto
  5. Poco allegro

Antonín Dvorák widmete die 1878 komponierten Bagatellen seinem Freund und Musikkritiker Josef Srb-Debrnov, bei dessen Hausmusikabenden er hin und wieder als Bratschist aushalf. Allerdings gab es in Srb-Debrnovs Haus kein Klavier, dafür aber ein Harmonium, das gelegentlich als Orgelersatz bzw. für Orchesterauszüge verwendet wurde, für das es aber kaum originale Kammermusik gab.

Das ungewöhnliche Instrumentarium eines Harmoniums setzte Dvorák nun bewusst programmatisch ein, indem er das modifizierte Thema des Volkslieds "Es spielten die Dudelsäcke in Poduby" verwendete und die Charakteristik des Harmoniums nutzte, um Dudelsackklänge zu imitieren. Die damit erzielten Klangeigenschaften waren ihm so wichtig, dass er sich auch seinem Verleger widersetzte, als dieser das Harmonium durch Klavier ersetzen wollte, weil es "dem ganzen Werk eine andere Gestalt geben und ihm überhaupt schaden" würde.

Das Werk bildet mit seinen fünf Tänzen eine Suite; die thematische Verschränkung zwischen den Sätzen sowie die wechselnden Tempi deuten jedoch darauf hin, dass Dvorák sie gleichwohl als ein geschlossenes Gesamtwerk konzipiert hat.

Timo-Juhani Kyllönen: Trio n:o 1

  1. Largo - Andante - Largo

Timo-Juhani Kyllönen, geboren 1955 in Saloinen, ist ein finnischer Akkordeonist, Dirigent und Komponist mit einem ausgeprägten spirituellen Sendungsbewusstsein. Er sieht sich selbst als Transmitter von positiver kosmischer Energie, welche das Gute in die chaotische Welt von heute bringt.

Sein Trio n:o 1, komponiert 1987, erinnert formal sehr an Beethovens Umgang mit kleinen Motiven, die sich im Wechselspiel der Instrumente verdichten, verwandeln und als Bausteine zu einem großen musikalischen Bogen zusammenfügen. Eine Metapher für die kosmische Ordnung, die sich aus dem Chaos formt.

Insgesamt ist die Komposition in Form und Instrumentierung klassizistisch angelegt mit einer zwar atonalen, aber dennoch sehr melodiösen, sängerischen Stimmführung.

Astor Piazzolla: Tangos

  1. Revolucionario
  2. Inverno
  3. La Muerte del Angel

Der Tango entstand mitte des 19. Jahrhunderts in Argentinien in den verarmten Gebieten von Rio de la Plata und Buenos Aires und entwickelte sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu der populärsten argentinischen Tanzform. Mit seinem pessimistischen, aber gleichzeitig fatalistischen Charakter traf er zur Jahrhundertwende den Nerv des von sozialen Problemen und Perspektivlosigkeit geplagten Argentinien. Der Tango wurde jedoch so sehr zum Inbegriff des argentinischen Lebensgefühles, dass er in seiner Traditionalität erstarrte und jede Neuerung auf erbitterten Widerstand stieß. Schließlich verkam er zur Folklore der einfachen Gesellschaft und geriet in der Bildungselite in Verruf.

In diesem Zwiespalt hauchte Astor Piazzolla dem Tango völlig neues Leben ein, indem er moderne Elemente aus Klassik, Jazz und Pop mit den Grundelementen des Tango verknüpfte. Von den Traditionalisten wurde er deswegen anfangs zwar dermaßen angefeindet, dass er und seine Familie sich in Buenos Aires mitunter kaum auf die Straße wagen konnten. Doch er arbeitete unermüdlich an der Weiterentwicklung seiner Klangsprache, und schuf damit seinen ganz charakteristischen Stil, den Tango Nuevo. Heute gilt Astor Piazzolla als einer der bedeutendsten Musiker Südamerikas.

Pablo Nerudo schrieb über ihn: "Piazzollas Musik ist die der Fehler und Verwirrungen der Menschen, [...] eine Musik, die durch die Arbeit der Hände freigelegt wird, schweiß- und rauchgetränkt mit dem Geruch von Lilien und Urin, voll gespritzt mit der Fülle unseres Tuns, sei es legal oder illegal ... eine Musik, die so wenig rein ist wie alte Kleider, wie ein Körper, voller Speiseflecken und Scham, voller Falten, Beobachtungen und Träume, Wachheit, Vorahnungen, Liebesschwüren und Verwünschungen, voller Dummheiten, Schocks und Idyllen, politischer Überzeugungen, voller Verleugnungen, Zweifel und Bestärkungen [...] ".