Thomas Stiegler: Streichquartett No 1

Voraufführung (Uraufführung am 7.Juni in Villach)

4 Sätze

Thomas Stiegler, als Geiger und Sänger vielseitig künstlerisch tätig, komponiert seit seiner Jugend. Damals war es seine Begegnung mit dem Schaffen Bohuslav Martinus, die ihn zu ersten Kompositionsversuchen anregte. Skizzenmaterial aus dieser frühen Zeit waren es auch, die er später in seinem ersten Streichquartet verwertete.

Es ist ein Quartett der Kontraste. Zwischen den ausladenden Ecksätzen kommen die beiden mittleren mit knappem Raum aus. Der zweite lebt von subtilen Klangwirkungen, vom Lauschen auf das ganz Leise. Ganz anders der dritte: Mit seiner strengen fugierten Architektonik wirkt er viel "fester" als der sphärische zweite - Musik in einem anderen Aggregatzustand.

Wollte man den Sätzen die vier Elemente zuordnen, dann wohl dem ersten mit seinem straff synkopierten tänzerischen Hauptthema "Feuer", dem zweiten "Luft", dem dritten "Erde" und dem vierten mit seinem wiegenden, fließenden Eröffnungsthema (dem einzigen mit romantischen Anklängen) das Element "Wasser". Diesem ließe sich - gleichsam als kontrastierendes Element innerhalb des ersten Satzes - auch dessen lyrisches Seitenthema zuordnen, welches später - mit rhythmisch prägnant zugespitzter Begleitung - als eine Art Trauermarsch in Erscheinung tritt.

Kontrapunktische Stimmführung kennzeichnet nicht nur den dritten, sondern auch Teile der anderen Sätze, insbesondere den Durchführungsbeginn des ersten.

Philip Glass: Company für Streichquartett oder Streichorchester

4 Sätze

Philip Glass, geboren am 31. Jänner 1937 in Baltimore, gehört zu den bekanntesten Amerikanischen Komponisten. Er revolutinierte die Tonsprache seiner Zeit, indem er mit der damals dominierenden seriellen Komposistionsweise brach und sogar Atonalität vermied. Angeregt durch indische Musik begann er, einfaches musikalisches Material so in kreisenden Mustern zu arrangieren, sodass sich ein flimmernder, hypnotischer Klangteppich entwickelt.

Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett No.3 in F-Dur, Op.73

dem Beethoven-Quartett gewidmet

  1. Allegretto
  2. Moderato con moto
  3. Allegro non troppo
  4. Adagio
  5. Moderato – Adagio

Das Streichquartett Nr.3 in F-Dur von Dmitri Schostakowitsch ist eines der längsten Streichquartette des Komponisten und erinnert sowohl in Form als auch Tonsprache an seine neunte Sinfonie. In beiden Werken verarbeitete er das Ende des zweiten Weltkriegs, allerdings ganz und gar nicht - wie von Stalin erwartet - triumphierend, den Sieg feiernd, sondern melancholisch und nachdenklich, das individuelle Leid der unzähligen Opfer betrauernd.

Der erste Satz erinnert noch an die heile Welt vor dem Krieg und beginnt leichtherzig, nahezu verschmitzt. Doch bald verdichten sich die Themen zu einer gedrängten Doppelfuge, die nach heftigem harmonischem Ringen zunächst zwar noch ihre Auflösung findet.

Doch die scheinbare Erleichterung am Ende des ersten Satzes wird am Beginn des zweiten Satzes abrupt ins Gegenteil verkehrt: Harmloser Humor verwandelt sich in schmerzliche Bitterkeit, ausgedrückt in einem sardonischen Walzer. Hier kommt Schostakowitschs Verbitterung der Kriegs- und Nachkriegsjahre jäh zum Ausdruck, verwandelt sich in den beiden folgenden Sätzen zunächst in Gewalt und Aggression, schließlich in Schmerz und Verzweiflung.

Der elegische vierten Satz hat die Form einer Passacaglia, die in ihrer nüchternen Schlichtheit an jene aus Schostakowitschs erstem Violinkonzert erinnert. Die sich zunächst langsam aufbauende Spannung steigert sich in ihr bis zur völligen Verzweiflung um schließlich erschöpft zusammen zu brechen.

Aus dieser totalen Erschöpfung erhebt sich das Finale - dunkel und fragend zunächst, dann mit langsam wachsender Zuversicht. Es folgt ein überwältigender Höhepunkt, in dem das ostinate Thema der Passacaglia als Kanon wieder erscheint, die klanglichen Möglichkeiten eines Streichquartetts noch einmal bis zum äußersten ausreizend. Schließlich bricht auch dieses letzte Aufbäumen gegen das Schicksal in sich zusammen und die Musik fällt in eine dumpfe und dennoch ergreifende Ruhe, um schließlich in nachdenklicher Ungewissheit zu enden.