Antonín Dvorák: Bagatellen für 2 Violinen, Violoncello und Harmonium op. 47

  1. Allegretto scherzando
  2. Tempo di minuetto, grazioso
  3. Allegretto scherzando
  4. Andante con moto
  5. Poco allegro

Antonín Dvorák widmete die 1878 komponierten Bagatellen seinem Freund und Musikkritiker Josef Srb-Debrnov, bei dessen Hausmusikabenden er hin und wieder als Bratschist aushalf. Allerdings gab es in Srb-Debrnovs Haus kein Klavier, lediglich ein Harmonium, das gelegentlich als Orgelersatz bzw. für Orchesterauszüge verwendet wurde, für das es aber kaum originale Kammermusik gab.

Das ungewöhnliche Instrumentarium eines Harmoniums setzte Dvorák nun bewusst programmatisch ein, indem er das modifizierte Thema des Volkslieds "Es spielten die Dudelsäcke in Poduby" verwendete und die Charakteristik des Harmoniums nutzte, um Dudelsackklänge zu imitieren. Die damit erzielten Klangeigenschaften waren ihm so wichtig, dass er sich auch seinem Verleger widersetzte, als dieser das Harmonium durch Klavier ersetzen wollte, weil es "dem ganzen Werk eine andere Gestalt geben und ihm überhaupt schaden" würde.

Das Werk bildet mit seinen fünf Tänzen eine Suite; die thematische Verschränkung zwischen den Sätzen sowie die wechselnden Tempi deuten jedoch darauf hin, dass Dvorák sie gleichwohl als ein geschlossenes Gesamtwerk konzipiert hat.

Astor Piazzolla: Five Tango Sensations

dem Kronos-Quartett gewidmet

  1. Anxiety
  2. Asleep
  3. Fear

In den Tango Sensations für Bandoneon und Streichquartett charakterisiert Astor Piazzolla verschiedene Geisteszustände, deren Energie sich koninuierlich von einem ruhigen, träumerischen "Asleep" bis zur kraftvollen Fuge "Fear" steigert.

Piazolla griff in diesem Stück auf die "Sette Sequence" zurück, die er 1983 für das Graunke-Orchester komponiert hatte. 1987 arrangierte er es für sich und das Kronos-Quartett, dem er schon lange ein Quartettstück versprochen hatte. 1990 spielte er dieses Werk mit dem Kronos-Quartett kurz vor seinem Schlaganfall als seine letzte CD-Produktion ein.

In diesem Konzert werden aus diesem fünfteiligen Zyklus die drei Sätze "Anxiety" (Angst), "Asleep" (Schlaf) und "Fear" (Furcht) in einer Bearbeitung für Akkordeon und Streichquartett gespielt.

Kurt Schwertsik: Adieu Satie

dem Kronos-Quartett gewidmet

  1. Parade
  2. Darius en vacances
  3. Le Coq et l'Arlequin
  4. Gymnopédie
  5. Clownerie acrobatique

Kurt Schwertsik wurde 1935 in Wien geboren, studierte Komposition bei Joseph Marx, Karl Schiske, Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und John Cage, sowie Horn bei Gottfried Freiberg. Er war Hornist beim Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester sowie den Wiener Symphonikern.

1958 gründete er zusammen mit dem Komponisten Friedrich Cerha das Wiener Ensemble für neue Musik „die reihe“ und 1965 mit seinen Freunden Zykan und Heinz Karl Gruber das Ensemble „MOB art & tone ART“. Neben Gastprofessuren in Amerika lehrte er Komposition am Wiener Konservatorium und der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Er gilt heute als wichtigster Vertreter der zeitgenössischen Musik in Österreich und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Schwertsiks musikalisches Schaffen entzieht sich jeglicher Etiketten und Klischees. Obwohl er lebhaft und engagiert am kunsttheoretischen Diskurs teilnimmt, sprengt er stets alle dogmatischen Fesseln und kennt keine Tabus. Am ehesten kann man sein Werk als eine Manifestation der romantischen Ironie beschreiben, wo Tiefsinnigkeit mit ironischem Witz gepaart ist, es sich einer einfachen Deutung hartnäckig entzieht und so den Zuhörer zur ureigenen, individuellen Auseinandersetzung zwingt.

Dem entsprechend verzichtet Schwertsik auf Werkeinführungen und stellt dem Werk "Adieu Satie" statt dessen ein Gedicht zur Seite:

Du mönchischer Clown
Der Du das Spiessertum aus der Kunst verbannen wolltest
& das weihevolle Geraune der in höheren Sphären schwebenden
Kunstbeflissenen durch Zirkus, Music Hall & Cabaret störtest.

Du Dadaist
Der Du keinen Unterschied zwischen hohen & niedrigen Künsten
gutem & schlechtem Geschmack
simplen & unbegreiflichen Ideen
anerkennen wolltest.

Du Schutzheiliger
Einer Idee der moderne, die meine Heimat ist,
Wo ich immer schon sein wollte: Utopia.

Du Navigator der Zeit
Rette die Seele der vom Faschismus zerstörten moderne
In Deinem in die Ewigkeit schwindenden Fahrzeug.

Adieu Satie

Pause

Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett No.3 in F-Dur, Op.73

dem Beethoven-Quartett gewidmet

  1. Allegretto
  2. Moderato con moto
  3. Allegro non troppo
  4. Adagio
  5. Moderato – Adagio

Das Streichquartett Nr.3 in F-Dur von Dmitri Schostakowitsch ist eines der längsten Streichquartette des Komponisten und erinnert sowohl in Form als auch Tonsprache an seine neunte Sinfonie. In beiden Werken verarbeitete er das Ende des zweiten Weltkriegs, allerdings ganz und gar nicht - wie von Stalin erwartet - triumphierend, den Sieg feiernd, sondern melancholisch und nachdenklich, das individuelle Leid der unzähligen Opfer betrauernd.

Der erste Satz erinnert noch an die heile Welt vor dem Krieg und beginnt leichtherzig, nahezu verschmitzt. Doch bald verdichten sich die Themen zu einer gedrängten Doppelfuge, die nach heftigem harmonischem Ringen zunächst zwar noch ihre Auflösung findet.

Doch die scheinbare Erleichterung am Ende des ersten Satzes wird am Beginn des zweiten Satzes abrupt ins Gegenteil verkehrt: Harmloser Humor verwandelt sich in schmerzliche Bitterkeit, ausgedrückt in einem sardonischen Walzer. Hier kommt Schostakowitschs Verbitterung der Kriegs- und Nachkriegsjahre jäh zum Ausdruck, verwandelt sich in den beiden folgenden Sätzen zunächst in Gewalt und Aggression, schließlich in Schmerz und Verzweiflung.

Der elegische vierten Satz hat die Form einer Passacaglia, die in ihrer nüchternen Schlichtheit an jene aus Schostakowitschs erstem Violinkonzert erinnert. Die sich zunächst langsam aufbauende Spannung steigert sich in ihr bis zur völligen Verzweiflung um schließlich erschöpft zusammen zu brechen.

Aus dieser totalen Erschöpfung erhebt sich das Finale - dunkel und fragend zunächst, dann mit langsam wachsender Zuversicht. Es folgt ein überwältigender Höhepunkt, in dem das ostinate Thema der Passacaglia als Kanon wieder erscheint, die klanglichen Möglichkeiten eines Streichquartetts noch einmal bis zum äußersten ausreizend. Schließlich bricht auch dieses letzte Aufbäumen gegen das Schicksal in sich zusammen und die Musik fällt in eine dumpfe und dennoch ergreifende Ruhe, um schließlich in nachdenklicher Ungewissheit zu enden.