Wolfgang A. Mozart: Trio in G-Dur KV 496

  1. Allegro
  2. Andante
  3. Allegretto

Mehr als zehn Jahre hatte Mozart seit dem Divertimento KV 254 kein Klaviertrio mehr fertig gestellt, als er im Frühjahr 1786 das Trio in G-Dur komponierte. Eine Reihe unvollendeter Fragmente (KV 442) bis dahin und die zahlreichen Korrekturen im Autographen dieses Trios zeugen davon, wie schwer er sich tat, mit dieser Besetzung seinen gereiften Ansprüchen dieser Schaffensperiode gerecht zu werden.

So verkörpert auch dieses Werk nicht mehr die spielerische Leichtigkeit seines frühen Klaviertrios. Vielmehr webt Mozart aus den Figuren der Themen lebendige Dialoge mit einer nahezu opernhaften Dramatik, in welchen die Klangfarben der Instrumente und ihre Mischung nun eine wichtige Rolle spielen. Asymmetrische Themen und geringfügige, aber bedeutsame Abweichungen von der erwarteten Form, sowie die feine Abwandlung von Motiven, welche diesen jedoch einen signifikant anderen Ausdruck und Charakter verleiht, dienen einer ausgefeilten und an überraschenden Wendungen reichen Dramaturgie.

Eine ausführliche Abhandlung von Claus-Christian Schuster über dieses Werk können Sie auf der Homepage des Altenbergtrio finden.

Frank Martin: Trio sur des mélodies populaires irlandaises

  1. Allegro moderato
  2. Adagio
  3. Gigue

Das Trio über irische Volksweisen war ursprünglich ein Auftragswerk eines reichen amerikanischen Amateur-Musikers irischer Abstammung, den Frank Martin wohl zufällig kennengelernt haben und dem Martins ausgesprochenes Interesse an den Eigenheiten verschiedener Volksmusiktraditionen bekannt gewesen sein dürfte. Martin machte sich gleich akribisch an die Arbeit und studierte eingehend einen reichhaltigen Fundus von Transkriptionen irischer Volksmusik in der französischen Nationalbibliothek, aus welchen er die Melodien für sein Trio sorgsam auswählte.

Martins Auswahl besonders archaischer und origineller Melodien und deren anspruchsvolle, komplexe Verarbeitung dürften jedoch nicht ganz die Erwartungen seines Auftraggebers erfüllt haben. Er hatte sich offenbar eher eine leicht spielbare und gefällige Verarbeitung damals gerade populärer irischer Melodien vorgestellt. Er zog seinen Auftrag zumindest nach Vorlage eines Entwurfs zurück und verweigerte die Bezahlung des Honorars. Martin nahm es gelassen und erklärte sich damit zufrieden, dass die Arbeit an der Komposition ihm ohnehin viel Spaß gemacht habe, welche er selbst so beschrieb:

„Bei der Verwendung des reichen musikalischen Gedankengutes der irischen Folklore habe ich versucht, mich so weit wie möglich ihrem spezifischen Charakter zu unterwerfen; ich habe jede Verformung der gewählten Melodien vermieden und sie immer in ihrer Integrität bewahrt, ohne sie mit sinnverändernden Harmonien zu überlasten. Das heißt, man wird in diesem Trio keinerlei Entwicklung im klassischen Sinne des Wortes finden. Im Rhythmus habe ich das Prinzip meiner musikalischen Form gesucht und in den rhythmischen Kombinationen das Mittel, meine Sprache zu bereichern. Der erste Satz basiert zur Gänze auf einer rhythmischen Progression, die durch ein stufenweises Accelerando erreicht wird, indem der Eintritt jedes neuen musikalischen Gedankens ein etwas rascheres Tempo nach sich zieht. In diesem Satz spielt die Wiederkehr der Themen kaum eine Rolle – es ist die rhythmische Wechselbeziehung zwischen den verschiedenen vorgestellten Melodien, die für die Einheit des Satzes sorgt.

Im zweiten Satz wird man dank der Wiederkehr einer dem Violoncello anvertrauten Melodie eine größere thematische Einheit feststellen; diese Melodie erscheint vor einem sich ständig verändernden melodischen und rhythmischen Hintergrund immer in der selben Form, dem selben Register und der selben Tonart.

Der Motor des dritten Satzes, Gigue, ist nicht mehr ein Accelerando, sondern die Bereicherung der rhythmischen Textur durch die Überlagerung verschiedener Motive. Hier wird man die metrische Unabhängigkeit der einzelnen Stimmen des Trios noch besser verfolgen können als in den vorangegangenen Sätzen.

Um es zusammenzufassen: dieses Trio stellt sehr wenig Ansprüche an die Harmonie und an das polyphone Prinzip der Imitation und verlangt alles von Rhythmus und Melodie, die die Grundlage des irischen Gesanges und Tanzes bilden.“

Schweizerische Musikzeitung 1930/11

Eine ausführliche Abhandlung von Claus-Christian Schuster über dieses Werk können Sie auf der Homepage des Altenbergtrio finden, der auch das obige Zitat entnommen ist.